CLASS MATTERS – Soziale Herkunft und Benachteiligung im Bildungssystem

Veranstaltungsreihe

Eine Initiative von Aktiven aus Studierendenschaft und Mittelbau.

Studierende, die als Erste in ihrer Familie studieren und ohne finanzielle Unterstützung zurechtkommen müssen, haben es an der Hochschule deutlich schwerer. Während 74% der Kinder aus Akademiker*innenhaushalten ein Studium beginnen, sind es bei Arbeiter*innenkindern nur 21%. Von ersteren promovieren 10%, von letzteren nur 1%. Im Wintersemester 2020/2021 laden wir, eine Initiative aus AStA und Mittelbau-Aktiven, dazu ein, sich mit struktureller Diskriminierung im Bildungssystem aufgrund sozialer Herkunft auseinanderzusetzen. In verschieden Formaten, wie Lesungen, Workshops, einem Vortrag sowie einer Podiumsdiskussion, wird den Fragen nachgegangen werden, wie sich diese Diskriminierungsform artikuliert und was dagegen getan werden kann. Außerdem sollen Möglichkeiten geboten werden, eigene Erfahrung auszutauschen und sich zu vernetzen.

Bei allen Veranstaltungen ist die Teilnahme/der Eintritt frei.

ABGESAGT 06.11. - Lesung mit Christian Baron: "Ein Mann seiner Klasse"

Hinweis:
Aufgrund der gegenwärtigen Entwicklungen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden neuen Maßnahmen kann die Lesung mit Christian Baron  leider nicht wie geplant in Hybridform am 06.11. stattfinden. Wir bemühen uns aktuell um einen Nachholtermin.

Freitag, 06. November 2020, 19:00 Uhr
Hermann-Levi-Saal im Rathaus (Berliner Platz 1, 35390 Gießen)
Kooperationsveranstaltung mit dem Georg-Büchner-Club Gießen

Hinweis:
Da die Teilnehmer*innenzahl aufgrund der aktuellen Situation begrenzt ist, ist eine Anmeldung sowie die Dokumentation der Teilnehmer*innen nötig. Genaue Informationen finden Sie am unteren Ende dieses Textfeldes. Es wird einen Livestream mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen, geben.

In seinem Anfang des Jahres erschienen Buch "Ein Mann seiner Klasse" schildert Christian Baron seine Kindheit mit einem gewalttätigen Vater, seinen Bildungserfolg entgegen aller Wahrscheinlichkeiten und seine subjektiven Erfahrungen mit Klassismus. Barons autobiographische Schilderungen geben Einblick in diese bislang noch wenig beleuchtete Diskriminierungskategorie und werfen zahlreiche Fragen im Hinblick auf Klassenstruktur und Klassenerfahrung in der deutschen Gesellschaft auf. Das Buch liefert damit zahlreiche Ansatzpunkte für autobiographische Sozioanalyse, wie sie von Pierre Bourdieu, bell hooks oder Didier Eribon bekannt ist.

Christian Baron ist Journalist. Nach Stationen bei der Lokalzeitung Die Rheinpfalz und Neues Deutschland sowie Veröffentlichungen u.a. bei der Neuen Zürcher Zeitung ist er seit 2018 Redakteur bei der Wochenzeitung Freitag. Er wurde 1985 in Kaiserslautern geboren und studierte Politikwissenschaft, Soziologie und Germanistik in Trier. Er ist Arbeiterkind und veröffentlichte 2016 ein Buch mit dem Titel: "Proleten, Pöbel, Parasiten. Warum die Linken die Arbeiter verachten".

Anmeldung für die Teilnahme vor Ort im Hermann-Levi-Saal:

Für die Veranstaltung ist eine Anmeldung erforderlich. Die Anmeldung bitte per E-Mail an folgende Adresse:
anmeldung@georg-buechner-club.de

Die E-Mail muss folgende Angaben enthalten:

  • In die Betreffzeile bitte eingeben:
    Anmeldung für die Veranstaltung am Freitag, dem 6. November 2020
  • In den Nachrichtentext bitte eingeben: Name, Vorname, Straße, Hausnummer, PLZ, Wohnort, Telefonnummer und E-Mail-Adresse
  • Zugelassen sind maximal 45 Personen. Wir bestätigen die Anmeldung per E-Mail und informieren, wenn die zugelassene Teilnehmerzahl erreicht ist.

Für die Veranstaltung gelten das Infektionsschutzgesetz und die aktuellen Verordnungen des Landes Hessen.

  • Die Abstandsregelung zu anderen Personen beträgt 1,5 m
  • Beim Einlass, dem Aufsuchen und Verlassen des Platzes sowie beim Gang zur Toilette ist eine Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen.
24.11. - Lesung mit Sahra Rausch: "Akademische Außenseiter*innen - Sprechen über Klassismus in der Wissenschaft"

Hinweis:
Aufgrund der gegenwärtigen Entwicklungen der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden neuen Maßnahmen kann die Lesung mit Sahra Rausch leider nicht wie geplant in Hybridform am 24.11. stattfinden. Stattdessen gibt es eine Online-Lesung. Informationen zur Plattform etc. folgen zeitnah.

Dienstag, 24. November 2020, 19:00 Uhr

Im August erschien der Sammelband Klassismus und Wissenschaft: Erfahrungsberichte und Bewältigungsstrategien (Hrsg.: Riccardo Altieri, Bernd Hüttner), der die strukturellen Benachteiligungen aufgrund der sozialen Herkunft ins Zentrum seiner Beiträge stellt. In ihrem autobiographischen Artikel Akademisches Außenseitertum: Mit Vulgarität gegen die Trägheit des akademischen System beschäftigt sich Sahra Rausch mit den Gefühlen der Scham und des Verrats, die unweigerlich auf die wachsende Entfremdung vom Elternhaus folgen. Gleichzeitig reichen Bildungserwerb und -aufstieg allein nicht aus, um zum Wissenschaftsbetrieb dazuzugehören. Wie kann dem begegnet werden? - Wobei ausschließlich persönliche Bewältigungsstrategien zu kurz greifen. Den Beitrag als Ausgangspunkt verstehend, möchte die Lesung einen Raum für den Erfahrungsaustausch schaffen, um der sozialen Herkunft eine größere Bedeutung als Kategorie struktureller Ungleichheit beizumessen.

Sahra Rausch ist Doktorandin am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) in Gießen und promoviert zur erinnerungspolitischen Aufarbeitung kolonialer Vergangenheiten in Deutschland und Frankreich. Außerdem ist sie Mitgründerin der Intiative "Just_unbefristet", die sich für bessere Bedingungen im akademischen Mittelbau einsetzt.

Januar 2021 - Online-Vortrag von Ceren Türkmen: "Klasse heute"

Januar 2021, 19:00 Uhr
Online-Veranstaltung, Link folgt

Weitere Informationen folgen.

Ceren Türkmen ist Soziologin und Rassismusforscherin. In ihrem Promotionsprojekt untersucht sie das historische Verhältnis von Klasse/Rassismus und Migration in Deutschland aus der Perspektive der Migration. Dabei geht es ihr um die Bedeutung einer historischen Klassenanalyse im Zusammenhang mit Migration und Rassismus. In einer vergleichenden Perspektive verfolgt sie die Debatten um Klassismus und Rassismus zu Zeiten des Gastarbeitsregimes bis in die Gegenwart. Sie ist zudem Vorstandsmitglied des Instituts für Solidarische Moderne.

18.01. - Workhop mit Andreas Kemper: „Klassismus und soziale Ungleichheit in der Schule“

18. Januar 2021, 16:00-19:00 Uhr
Online-Veranstaltung, Link folgt

Hinweis:
Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung ist nötig. Genaue Informationen dazu folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Weitere Informationen folgen.

Andreas Kemper ist Wissenschaftler am Institut für Klassismusforschung in Berlin. Er hat mit seinen Publikationen den Klassismusbegriff im deutschsprachigen Raum geprägt. Als Aktivist versucht er, die Working Class/ Poverty Class Academics zu organisieren. Außerdem engagiert er sich in der diskriminierungssensiblen Bildungsarbeit, bei der er seine langjährige Tätigkeit in der intersektionalen Forschung in praktische Anwendungsbereiche übersetzt hat.

01.02. - Workshop mit Susanne Pawlewicz: "Klassismus und soziale Ungleichheit“ in der Hochschule"

01. Februar 2021, 16:00-19:00 Uhr
Online-Veranstaltung

Hinweis:
Die Teilnehmer*innenzahl ist begrenzt. Eine Anmeldung ist nötig. Genaue Informationen dazu folgen zu einem späteren Zeitpunkt.

Weitere Informationen folgen.

Susanne Pawlewicz ist wissenschaftliche Mitarbeiterin am Arbeitsbereich „Allgemeine Pädagogik und Pädagogik der Natur- und Umweltwissenschaften“ des Instituts für Allgemeine Pädagogik und Berufspädagogik der TU Darmstadt. Seit April 2018 arbeitet sie im zQSL-Projekt „Bildungsaufstieg statt Bildungsausstieg: Förderung der Selbst- und Berufskompetenz von Studierenden nicht-akademischer Herkunft“. Im Projekt wurden Workshops und Seminare entwickelt, um die (Re-) Produktion sozialer Ungleichheit innerhalb des tertiären Bildungssektors zu thematisieren.

03.02. - Podium mit Ingrid Miethe, Francis Seeck und Katja Urbatsch

03. Februar 2021, 19:00 Uhr
Angaben zu Format & Ort/Plattform folgen

Weitere Informationen folgen.

Ingrid Miethe ist Professorin für Allgemeine Erziehungswissenschaft an der JLU Gießen und aktuell Dekanin des Fachbereich Kultur- und Sozialwissenschaften. Schwerpunkt ihrer Forschung ist der Zusammenhang von Herkunftsmilieu und Gesellschaftssystem sowie der universitäre Bildungsaufstieg von Arbeiterkindern. Bis 2019 verantwortete sie das Projekt „Systematisierung und Weiterentwicklung der Methodenausbildung und Nachwuchsförderung in der Bildungsforschung“, gefördert durch das BMBF.

Katja Urbatsch ist Gründerin und hauptamtliche Geschäftsführerin der gemeinnützigen Organisation ArbeiterKind.de. Nach ihrem Hochschulabschluss war sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am International Graduate Centre for the Study of Culture (GCSC) der Justus-Liebig-Universität Gießen tätig. 2008 gründete sie die Initiative ArbeiterKind.de, die es sich zum Ziel gesetzt hat, den Anteil der Nicht-Akademikerkinder an den Hochschulen zu erhöhen und ihnen Unterstützung zu einem erfolgreichen Studienabschluss zu liefern.

Francis Seeck ist Geschlechterforscher*in und Kulturanthropolog*in und arbeitet zu den Themen Klassismus, soziale Ungleichheit, Care und geschlechtliche Vielfalt. Seit September 2020 ist Seeck Vertretungsprofessor_in für Soziologie und Sozialarbeitswissenschaft an der Hochschule Neubrandenburg. Seit 2009 ist Seeck in der Politischen Bildung und Antidiskriminierungsarbeit tätig und gibt Fortbildungen und Vorträge zu den Themen Klassismus und geschlechtliche Vielfalt. Im Oktober 2020 erschien der Sanmelband "Solidarisch gegen Klassismus. Organisieren, intervenieren, umverteilen" herausgegegen von Francis Seeck und Brigitte Theißl bei Unrast.

Weiterführunde Informationen und Literaturtipps
Initiativen:
Einführende Literatur:
  • Baron, Christian (2014): Klasse und Klassismus. Eine kritische Bestandsaufnahme, in: PROKLA Nr. 175 Schwerpunkt Klassentheorien, S. 225-236.
  • Bourdieu, Pierre (1987): Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft, Suhrkamp: Frankfurt a.M.
  • Graf, Angela; Möller, Christina (Hg.) (2015): Bildung – Macht -Eliten. Zur Reproduktion sozialer Ungleichheit, Campus: Frankfurt  a.M./ New York.
  • hooks, bell (2020): Die Bedeutung von Klasse. Warum die Verhältnisse nicht auf Rassismus und Sexismus zu reduzieren sind. Münster: Unrast  2020 (amerik. Original: Where we stand: Class matters, 2000).
  • Kemper, Andreas; Weinbach, Heike (2020): Klassismus. Eine Einführung, Münster: Unrast (Erstausg. 2007).
  • Seeck, Francis; Theißl, Brigitte (Hg.) (2020): "Solidarisch gegen Klassismus – organisieren, intervenieren, umverteilen“,  Münster: Unrast.
Weiterführende Literatur:
  • Baron, Christian (2016): Proleten, Pöbel, Parasiten, Das Neue Berlin: Berlin.
  • Mahony, Par; Zmroczek, Christine (1997): Class Matters. "Working Class" Women's Perspectives On Social Class, Taylor & Francis: London.
  • Möller, Christina (2013): Wie offen ist die Universitätsprofessur für soziale Aufsteigerinnen und Aufsteiger? Explorative Analysen über die soziale Herkunft von Professorinnen und Professoren an den nordrhein-westfälischen Universitäten, in: Soziale Welt 64 (4), S. 341-359.
  • Möller, Christina (2014): Als Arbeiterkind zur Professur? Wissenschaftliche Karrieren und soziale Herkunft. In: Forschung & Lehre 6/2014, S. 372-374.
  • Rehbein, Boike u.a (2015): Reproduktion sozialer Ungleichheit in Deutschland, Herbert von Halem: Konstanz.
  • Roßhart, Julia (2017): Klassenunterschiede im feministischen Bewegungsalltag. Anti-klassistische Interventionen in der Frauen- und Lesbenbewegung der 80er und 90er Jahre in der BRD, w_orten & meer: Maintal.
Romane/Prosa/Autobiographisches:
  • Altieri, Riccardo; Hüttner, Bernd (Hg.) (2020): Klassismus und Wissenschaft. Erfahrungsberichte und Bewältigungsstrategien.BdWi: Marburg.
  • Baron, Christian (2020): Ein Mann seiner Klasse, claassen: Berlin.
  • Eribon, Didier (2016): Rückkehr nach Reims, Suhrkamp-Verlag: Frankfurt a.M.
  • Ernaux, Annie (2017): Die Jahre, Suhrkamp: Frankfurt a.M. (franz. Original: Les années, 2008).
  • Ernaux, Annie (2019): Der Platz, Suhrkamp: Frankfurt a.M.
  • Ferrante, Elena (2016-2018):  Neapolitanische Saga, 4 Bände, Suhrkamp: Frankfurt a.M.
  • Reuter, Julia; Gamper, Markus; Möller, Christina; Blome, Frerk (Hg.) (2020): Vom Arbeiterkind zur Professur. Sozialer Aufstieg in der Wissenschaft. Autobiographische Notizen und soziobiographische Analysen, transcript: Bielefeld.