{"id":8239,"date":"2023-06-21T10:19:50","date_gmt":"2023-06-21T08:19:50","guid":{"rendered":"https:\/\/www.asta-giessen.de\/?p=8239"},"modified":"2023-06-21T10:23:01","modified_gmt":"2023-06-21T08:23:01","slug":"8239-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.asta-giessen.de\/en\/8239-2\/","title":{"rendered":""},"content":{"rendered":"<p>An hessischen Hochschulen arbeiteten zuletzt knapp 16.000 studentische Besch\u00e4ftigte. Sie stellen damit eine der gr\u00f6\u00dften und die am schnellsten wachsende Besch\u00e4ftigtengruppe an den Hochschulen dar. Studentische Besch\u00e4ftigte werden in zahlreichen Bereichen der Hochschulen und in vielf\u00e4ltigen Aufgabenfeldern besch\u00e4ftigt und unterst\u00fctzen im Rahmen sogenannter wissenschaftlicher Hilfst\u00e4tigkeiten Institute und Professuren in Forschung und Lehre. Sie f\u00fchren beispielsweise Tutorien durch und helfen in der Lehre, Lehrveranstaltungen vor-zubereiten, durchzuf\u00fchren und nachzubereiten. Aber auch in der Forschung sind sie unter anderem durch das Lektorat von wissenschaftlichen Texten, die Durchf\u00fchrung von Experimenten oder auch die Beschaffung von Literatur unerl\u00e4sslich. Die befristete Besch\u00e4ftigung von Studierenden in diesen Bereichen beruht auf der Annahme, dass diese T\u00e4tigkeiten gem\u00e4\u00df dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) der eigenen wissenschaftlichen und k\u00fcnstlerischen Qualifizierung und Weiterbildung dienen. Trotzdem werden studentische Besch\u00e4ftigte auch in Bereichen, wie den Bibliotheken, den Hochschulrechenzentren und Sekretariaten, eingesetzt, in denen diese Grunds\u00e4tze nicht erf\u00fcllt werden. Dort \u00fcbernehmen sie vermehrt technisch-administrative Aufgaben, die eigentlich nach Tarif bezahlt werden m\u00fcssen, sodass die Hochschulen hier aktiv Tarifflucht betreiben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Studentische Besch\u00e4ftigte \u00fcbernehmen also nicht nur T\u00e4tigkeiten in Forschung und Lehre, sondern erledigen auch vielf\u00e4ltige Verwaltungsaufgaben. Sie sind damit unverzichtbar f\u00fcr den universit\u00e4ren Betrieb, werden jedoch bisher nicht als Besch\u00e4ftigte im eigentlichen Sinne verstanden und in den Haushalten der Hochschulen nur als Sachmittel verbucht. Mit der Nicht-Anerkennung ihres Besch\u00e4ftigtenstatus geht gleichzeitig auch der Ausschluss studentischer Besch\u00e4ftigter aus dem Geltungsbereich des Tarifvertrages der L\u00e4nder (TV-L) beziehungsweise dem Tarifvertrag des Landes Hessen (TV-H) sowie von einer ordentlichen Personalvertretung einher. Dieser Umstand erweist sich insbesondere deshalb als problematisch, da die Arbeitnehmer*innenrechte studentischer Besch\u00e4ftigter regelm\u00e4\u00dfig missachtet werden: Dies belegt die breit angelegte Studie Jung, akademisch, prek\u00e4r. Studentische Besch\u00e4ftigte an Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Eine Ausnahme vom dualen System regulierter Arbeitsbeziehungen (2023), die das Institut f\u00fcr Arbeit und Wirtschaft (iaw) in Kooperation mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) und der bundesweiten Vernetzung der Initiativen f\u00fcr einen Tarifvertrag f\u00fcr studentische Besch\u00e4ftigte (TVStud) durchgef\u00fchrt wurde. Auf Basis bundesweiter Befragungen von \u00fcber 11.000 studentischen Besch\u00e4ftigten legt der Forschungsbericht eindr\u00fccklich dar, wie miserabel die Arbeitsbedingungen an den deutschen Hochschulen sind: So gab nur knapp ein Drittel der Studentischen Besch\u00e4ftigten an, sich gut \u00fcber die eigenen Arbeitsrechte informiert zu f\u00fchlen. Besonders deutlich wird dies beispielsweise anhand der Tatsache, dass in Hessen knapp 65 Prozent der Studentischen Besch\u00e4ftigten ihren Urlaubsanspruch nicht voll-st\u00e4ndig wahrnehmen und etwa 33 Prozent ihre Krankheitstage nacharbeiten. Zudem machen bundesweit fast 40 Prozent der Studentischen Besch\u00e4ftigten unbezahlte \u00dcberstunden und circa 10 bis 25 Prozent leisten unbezahlte Arbeit \u00fcber die offiziell vereinbarte Vertragslaufzeit hinaus. Aufgrund der kurzen Vertragslaufzeiten von oftmals nur wenigen Monaten und der daraus resultierenden Angst, nicht weiterbesch\u00e4ftigt zu werden, trauen sich viele studentischen Besch\u00e4ftigten nicht, diese Umst\u00e4nde zu kritisieren und ihre Arbeitnehmer*innenrechte einzufordern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dass all dies aber keine neueren Entwicklungen sind, zeigen studentische Arbeitsk\u00e4mpfe in der Vergangenheit: Schon in den 1980er Jahren gr\u00fcndete sich in Berlin eine TVStud-Initiative, die erfolgreich f\u00fcr einen Tarifvertrag f\u00fcr studentische Besch\u00e4ftigte k\u00e4mpfte. In Folge von dessen Erneuerung 2018 in Berlin, entwickelte sich eine bundesweite Bewegung mit dem Ziel, endlich gleiche Arbeitsbedingungen f\u00fcr alle studentischen Besch\u00e4ftigten zu erk\u00e4mpfen. Mit der ersten bundesweiten Konferenz in Hannover 2021 und der darauffolgenden Kampagne traten studentische Besch\u00e4ftigte erstmals bundesweit gemeinsam mit den Besch\u00e4ftigten der L\u00e4nder in den Arbeitskampf. Erste Zugest\u00e4ndnisse einzelner Bundesl\u00e4nder sowie die Gespr\u00e4chszusage der Tarifgemeinschaft der L\u00e4nder (TdL) sind Erfolge dieser Kampagne. Mit der Studie Jung, akademisch, prek\u00e4r schaffte die Bewegung zudem eine Verhandlungsgrundlage und neue Diskursmacht f\u00fcr die anstehenden Tarifverhandlungen im Oktober.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Sowohl die Erkenntnisse aus den K\u00e4mpfen der Vergangenheit als auch die Ergebnisse der Studie zeigen, wie entscheidend die Tarifierung von studentischen Besch\u00e4ftigten f\u00fcr die Verbesserung ihrer Arbeitsverh\u00e4ltnisse ist. Im bundesweiten Vergleich zeigt das Beispiel Berlin, dass Tarifvertr\u00e4ge sich positiv auf das Lohnniveau, die Vertragslaufzeiten, die Einhaltung von Arbeitnehmer*innenrechten sowie die Mitbestimmungsrechte durch einen eigenen vollwertigen studentischen Personalrat auswirken. Eine echte Verbesserung der prek\u00e4ren Situation von studentischen Besch\u00e4ftigten k\u00f6nnen wir also nur \u00fcber den gemeinsamen Kampf f\u00fcr einen Tarifvertrag herbeif\u00fchren \u2013 und daf\u00fcr lohnt es sich, aktiv zu werden! Denn auch als Studierendenschaft profitieren wir von einer Verbesserung der Besch\u00e4ftigungsverh\u00e4ltnisse von studentischen Besch\u00e4ftigten, da bessere Arbeitsbedingungen die Qualit\u00e4t von Lehre und Forschung sicherstellen. Aus Solidarit\u00e4t mit unseren Kommiliton*innen und dem Interesse an guten Lehrveranstaltungen lohnt es sich, gemeinsam Einsparungsprozessen und Neoliberalisierungstendenzen in unserem Bildungssystem entgegenzutreten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wir treten f\u00fcr gute Bildungsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr alle und ein (herrschafts-)kritisches Denken an den Hochschulen ein und bekennen uns auch deshalb zur TVStud-Bewegung, damit allen Studierenden der Zugang zum Wissenschaftsbetrieb offen ist und nicht nur jenen, die es sich leisten k\u00f6nnen, die prek\u00e4ren Verh\u00e4ltnisse zu ertragen. Eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen von studentischen Besch\u00e4ftigten ist kein Verlust; sie k\u00f6nnte aber sehr wohl einen Gewinn bedeuten \u2013 so f\u00fchren Verbesserungen der Arbeitsbedingungen einer Branche oft auch zu Verbesserungen der Arbeitsbedingungen in anderen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als Studierendenschaft der Justus-Liebig-Universit\u00e4t Gie\u00dfen solidarisieren wir uns deshalb mit den Forderungen und Aktionen unserer lokalen Initiative TVStud Gie\u00dfen, der hessischen Vernetzung TVStud Hessen und insbesondere der bundesweiten TVStud-Bewegung!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gute Lehre und Forschung f\u00fcr alle! Endlich her mit dem Tarifvertrag f\u00fcr studentische Besch\u00e4ftigte!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>An hessischen Hochschulen arbeiteten zuletzt knapp 16.000 studentische Besch\u00e4ftigte. 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