Pressemitteilung: Studierende und Beschäftigte protestieren in Gießen gegen Kürzungen an Hochschulen
Demos von JLU und THM enden mit gemeinsamer Kundgebung am Berliner Platz
Gießen, 28. Januar 2026 – Heute gehen Studierende und Beschäftigte der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) gemeinsam auf die Straße. Anlass sind die drohenden und bereits spürbaren Kürzungen infolge des neuen Hessischen Hochschulpakts. Zwei Demonstrationen starten am Mittag: Die JLU-Demonstration beginnt an der Mensa in der Otto-Behaghel-Straße und führt über das Uni-Hauptgebäude, die THM-Demonstration startet am D-Campus der THM und zieht über verschiedene Campusbereiche. Beide Demonstrationen enden am frühen Nachmittag mit einer gemeinsamen Abschlusskundgebung am Berliner Platz.
Das Bündnis NOCUTSGIESSEN, bestehend aus den ASten der JLU und der THM, Studierenden, Beschäftigten, Initiativen sowie den aktiven Gewerkschaften GEW und ver.di an beiden Hochschulen, kritisiert eine zunehmende Aushöhlung von Lehre, Forschung und Arbeitsbedingungen. Bereits jetzt verlieren Fachbereiche Mittel, Professuren werden nicht nachbesetzt, Tutorien gestrichen und Studiengänge abgebaut. Gleichzeitig steigen Semesterbeiträge, Mieten und Lebenshaltungskosten weiter an.
„Die Kürzungen werden auf dem Rücken der Studierenden und Beschäftigten ausgetragen“, erklärt Niklas Beick, Referent für Hochschulpolitik im AStA der JLU. „Immer weniger Menschen sollen immer mehr Arbeit leisten. Das verschlechtert nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern ganz konkret auch die Qualität von Studium und Lehre.“
Besonders betroffen sind befristete Beschäftigte im Mittelbau sowie studentische Beschäftigte. Letztere arbeiten weiterhin ohne Tarifvertrag. Prekäre Beschäftigung, Befristungen und fehlende Planungssicherheit sind für viele längst Alltag.
„Es ist absurd, dass Hochschulen von Zukunftskonzepten sprechen, während diejenigen, die sie tragen, in Unsicherheit gehalten werden“, so Beick weiter. „Wir brauchen endlich einen Tarifvertrag für studentische Beschäftigte und ein Ende des Befristungsunwesens im Mittelbau. Gute Lehre gibt es nicht ohne gute Arbeit.“
Neben dem Personalabbau kritisiert das Bündnis auch die steigenden Kosten für Studierende. In Gießen ist der Semesterbeitrag zuletzt bundesweit besonders stark gestiegen, zusätzlich fällt ein gesetzlicher Verwaltungskostenbeitrag von 50 Euro als Teil des Semesterbeitrags an.
„Studieren wird immer teurer, während gleichzeitig Lehrangebote abgebaut werden“, sagt Lucas Maienschein, Referent für Gleichstellung und politische Bildung im AStA der THM. „Bildung darf nicht vom Geldbeutel abhängen. Wir fordern die Abschaffung des Verwaltungskostenbeitrags und ein existenzsicherndes BAföG.“
Scharfe Kritik richtet sich zudem an die hessische Landesregierung im Umgang mit Hochschulfinanzierung und Infrastruktur. Trotz maroder Gebäude und erheblicher Sanierungsstaus würden vom Bund bereitgestellte Mittel (Schnellbauinitiative für Bildungsinfrastruktur) zweckentfremdet, um zuvor von den Hochschulen eingezogene Baurücklagen zurückzuzahlen, statt – wie vorgesehen – zusätzlich in Hörsäle, Technik und Räume zu investieren.
„Wenn Dächer lecken und Räume fehlen, während gleichzeitig an Bildung gespart wird, dann ist das keine Knappheit, sondern eine politische Entscheidung gegen Studierende und Beschäftigte“, so Beick. „Der Hochschulpakt darf nicht zum Kürzungspakt werden. Es muss dringend substanziell nachgesteuert werden.“
Das Bündnis warnt außerdem vor einer zunehmenden Abhängigkeit der Hochschulen von Drittmitteln und Rüstungsforschung.
„Wir wollen zivile Hochschulen, die für eine lebenswerte Zukunft forschen – nicht für Aufrüstung und Konzerninteressen“, betont Beick. „Kürzungen und Militarisierung greifen die Wissenschaftsfreiheit direkt an, weil Hochschulen immer abhängiger von solchen Geldern werden.“
Mit den heutigen Demonstrationen will das Bündnis ein deutliches Signal setzen: gegen weitere Kürzungen, gegen steigende Kosten und für gute Arbeits- und Studienbedingungen.
„Der Hochschulpakt läuft fünf Jahre – und das erste Jahr hat gerade begonnen. Wenn wir jetzt nicht gegenhalten, wird es nur schlimmer“, sagt Maienschein abschließend. „Deshalb gehen wir heute gemeinsam auf die Straße und sagen klar: Keine weitere Kürzung auf unsere Kosten. Unsere Zukunft geben wir nicht kampflos auf.“
Foto: Ruby Ode

